Praesident

Neulich Abendgesellschaft bei den Ostheims. Hatte einen schrecklich anstrengenden Tag, ärgerliche Amtsgeschäfte, bekam Sodbrennen und die finstere Ahnung, nur noch von Idioten umgeben zu sein. Es ist nun mal so: wenn man bis zu einem gewissen Alter noch nicht gemerkt hat, daß man nur noch von Idioten umgeben ist, hat das mit Sicherheit einen bestimmten Grund!Ich versprach mir jedenfalls eine angenehme Zerstreuung. Wollte auch mal wieder meinen Sohn sehen, der allerdings nirgendwo aufzutreiben war.Stattdessen schleppt dieses Mondkalb, dieser Riesentrottel, irgend so ein Bürschchen an, ein ganz mickeriger Typ, häßlich, rothaarig, irgendwie ungesund, ein Künstler! Ach ja, denk ich , der hat mir jetzt gerade noch gefehlt! Hat in meiner Gegenwart kaum ein Wort rausgekriegt, aber das bin ich ja gewohnt. Ich habe ihm erstmal ein Glas Champagner in die Hand gedrückt, das er in einem Zug runter kippte. Dann starrte er mich glasig an, ich wusste nicht was ich von ihm halten sollte. Kalb hat ihm andauernd nachgeschenkt, womöglich wollte er ihn betrunken machen, um sich anschließend an ihm zu vergreifen. Bitte sehr: solange ich nicht dabei sein muss, soll mir das egal sein.Nach drei Gläsern wurde der Dichter gesprächig, allerdings schrecklicher Dialekt, man konnte kaum ein Wort verstehen. Wenigstens fand er den Mut sich endlich vorzustellen, Schöller oder Schiller—ich habs schon wieder vergessen. Natürlich ging es sehr schnell um Geld: angeblich hat der Junge vor einiger Zeit in Süddeutschland Furore gemacht mit so einem Theaterstück: Die "Räuber", jetzt ist er völlig abgebrannt und weiß nicht wo er sein nächstes Stück aufführen soll.  Er hat mir ein Exemplar in die Hand gedrückt: "Luise Millerin". Wirklich eine Belästigung! Theater: sinnlose Zeitverschwendung in meinen Augen! Ich ziehe mich zurück, überfliege ein paar Seiten, da kann einem wirklich schlecht werden!Noch dazu sofort klar: hat er alles von diesem alten Engländer geklaut, dem Shakespeare, ein wirklicher Dichter! Der wußte wenigstens noch wie Fürsten fühlen. Ich hab ihm sein Stücklein angewidert zurückgegeben und ihm vorgeschlagen, er soll das Ding "KABALE UND LIEBE" nennen, das sei immerhin ein Titel, der Geld in die Kasse bringt. Er, inzwischen völlig betrunken, fängt an zu kreischen und macht vor allen eine peinliche Szene: ich würde schon noch sehen und es gehe ihm um persönliche Selbstbestimmung und die Freiheit des Einzelnen. Worauf ich mit großer Ruhe erwiderte, ich wisse gar nicht was er von mir wolle, schließlich wüsste ich EINES selbst ganz bestimmt: nach der Devise "ICH BIN SO FREI" regierte ICH schließlich schon seit Jahren! Und zwar äußerst erfolgreich! Und wer das nicht ertragen könne, dürfe das Land gern wieder verlassen. Ich habe ihn dann von einigen Bedienten hinauswerfen lassen. Die Ostheims sind ja anständige Leute, aber auch ein bißchen naiv…kann man also auch nicht mehr hingehen. Und bei nächster Gelegenheit muss ich mir mal dieses Riesenkalb vorknöpfen…dem werde ich die Schneekugel trockenlegen, darauf kann er sich verlassen!!!

2 Reaktionen zu “Praesident”

  1. dora the explorer backpacks

    dora the explorer backpacks…

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