Der Wurm legt nach

Kleiner Liebesbrief im Geheimen:

 

Liebe Luise,

Ich werde Dir diesen Brief niemals schickenIch schreibe ihn Dir mit Tränen in mein Kopfkissen:

Die Welt wird mich nicht weinen sehen,

Und Du wirst mich nicht weinen sehen.

 

Du bist doch das Mädchen aus dem Sandkasten.

Was ich erinnere: die weißen Härchen auf Deinen Oberarmen im Sommer.

Und unsere schmutzigen Knie im Park.

Der Geruch Deines Haares. Wenn Du Dich im Sandkasten vorgebeugt hast, hab ich heimlich daran gerochen. Kamillengeruch.

Und seitdem will ich dieses Haar neben mir auf dem Kopfkissen haben. Nur das.

 

Und da hab ich es mir in den Kopf gesetzt. Irgendwann werde ich Dich beeindrucken.

Und ich hab mir doch Mühe gegeben.

Und – JA, JA, JA – der Weg nach oben ist oft ein würdeloser.

Und ich hab mich hoch gewunden.

Bis ich ein Wurm war.

Der Umweg zu Dir ist ziemlich lang.

Und etwas von mir ist auf der Strecke geblieben.

Mein Rückrad vielleicht.

Ich bin ziemlich biegsam jetzt.

Vielleicht magst Du das nicht?

(Ich kann das versuchen wieder zu ändern für Dich.)

Du willst den Rebell?

Aber wer ist das schon?

- Ferdinand?

Ha, ha!?

Jetzt sollst Du, mein T., mir wegen so einem durch die Lappen gehen?

Das geht nicht. Und meine MITTEL sind jetzt nicht sehr fein (Danke - DAS WEIß ICH AUCH!) aber der Zweck ist ein guter:

Der ist nicht gut für Dich, Luise!

Wenn Du mir das glauben könntest.

Ich werde es Dir beweisen:

Der ist Dein Tod!

Und außerdem ist Deinem Wurm ganz tief drinnen auch speiübel, wenn er daran denkt, wie er Dich kriegen will, das Kamillenmädchen.

(Und manchmal kotze ich mir - und das ist nicht sprichwörtlich gemeint sondern ganz real - vor dem Spiegel, selbst ins Gesicht. Wie gesagt: diesen Brief hier wirst Du nie zu lesen bekommen, kleine Luise)

Aber einer wie ich hat damit zu leben gelernt, sich ganz tief auf dem innersten Grund zum Kotzen zu finden. Und das ist kein Zuckerschlecken so ein Leben als Wüstchen im Kostüm eines Würmchens.

Sondern eine Last die einer trägt

 

Was ich Würmchen nicht verstehe:

Ich habe sehr schönen französischen Käse gekauft, und Champagner aus einem guten Jahr, und eine ganze gegrillte Languste und einen 500g Block Foie Gras mit Perigod Trüffeln und Austern aus der Bretagne (denn die sind dieses Jahr besser als die aus der Normandie) und ich würde Dir so gerne zeigen, wie man die öffnet, mit dem kleinen dicken Messer nämlich, das ich mitgebracht habe, aber Du bist nicht da.

(Nur Dein Vater, dieses unerträgliche Weichei ist da und lügt und zettert.)

Ich verstehe das nicht. Wo bist Du?

Mein ganzes Scheißleben hab ich für Dich der Karriere ins Maul gestopft und dafür gearbeitet, dass Du, Luise, mich einmal bewundern kannst und lieben wirst und jetzt komme ich mit vollen Taschen, Dich zu beschenken und

Da ist nichts, was Du an mir findest.

Was willst Du?

Diesen albernen verwöhnten Schnösel, der Dich mit

romantischem Liebeskitsch aus Worten ertränkt und der original nie auch nur eine Scheißsekunde für irgendwas gearbeitet hat? Auf den flasht Du jetzt?! Wie bitte??!

Und eins weiß ich übrigens, liebe Luise:

Der ist nicht gut für Dich!

Und noch mal:

Der wird Dein Tod sein!

Der liebt nämlich nur sich selbst. Und ich liebe Dich.

Das ist ein Unterschied!

Ich liebe Dich mehr als mich selbst, Luise.

(Gut. Mag sein: Das ist nicht so schwer)

Aber wenn Du mich gar nicht liebst.

Dann wirst Du mich lieben lernen müssen.

Aus dem Sandkasten bin ich aufgestiegen bis in das Vorzimmer des Präsidenten. Das habe ich alles für Dich getan und Du wirst mich jetzt nicht für so einen vor der Tür sitzen lassen.

Oder ich bring Dich um.

Mit dem verschmähten Austernmesser vielleicht.

Träum schön, Kleine.

Eine Reaktion zu “Der Wurm legt nach”

  1. Dr. Wurm

    PS.:
    Unter Zwei Augen:
    Auge in Auge mit mir gestern im Bad:
    Keine Ahnung wer ich bin.
    Ich bin immer ein anderer.
    Beim Präsidenten, bei Millers, bei Dir Luise.
    Keine Ahnung mehr, wer ich bin.
    Ich bin einfach nicht da.
    Keine Ahnung wann das angefangen hat,
    mein Verschwinden.
    Ich bin zu Viele.
    Hilfe,
    mach mich zu einem Luise!

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